Wie ein überdimensionaler kristalliner Bücherstapel ragt die neue Central Library aus dem Zentrum von Seattle. Rem Koolhaas fügte fünf zueinander versetzte, mehrgeschossige Gebäudeteile zu einem elfstöckigen Bibliotheksbau zusammen – so entstand ein lichtdurchfluteter, kubisch gefalteter Baukörper. Jedes einzelne Element definiert dabei einen nutzungsbedingten Bibliothekscluster. Knapp 12.000 Quadratmeter Glasfassade geben dem „Kristall“ sein Gesicht und bieten spektakuläre Ausblicke auf die Stadt.
Mit seinen fast quadratischen, gewaltigen Außenmaßen von 60 bis 65 Metern und seinen auf den ersten Blick verwirrend gefalteten Fassadenflächen ist die Central Library ein durchaus spektakuläres Objekt und zugleich eine technische Herausforderung für den Fassadenbau. Vertikale Außenflächen verschmelzen mit nach innen und außen geneigten Teilfassaden und setzen so höchste Anforderungen an die Detaillierung und die Montage der Außenhaut.
Exakt 9.994 Scheiben wurden montiert, ein Drittel hiervon ausschließlich Sonderformate. Der Primärstruktur aus groß dimensionierten Stahlträgern ist als Sekundärkonstruktion ein kleinformatiges, rautenförmiges Stahlnetz aufgesetzt, das die erforderliche Erdbebensteifigkeit gewährleistet und die Architektur des Gebäudes prägt. Hierauf aufgedoppelt liegen eloxierte Aluminiumprofile für die Verglasung der Fassade. Verschiebbar eingespannt über eine Deckleiste sind die Glasscheiben von Bewegungen des Gebäudes entkoppelt. Die Konstruktion erfüllt so die erhöhten Anforderungen an das Erdbeben gefährdete Gebiet. Gläser unterschiedlichen Aufbaus sorgen trotz aller Transparenz für eine angenehme Atmosphäre im Gebäude.