Im Wettbewerb um die Gestaltung des neuen „John Lewis“ Kaufhauses setzten sich Foreign Office Architects (FOA), London, mit einem radikalen wie ebenso frischen Vorschlag durch: Ein schillernder, netzartiger Vorhang – bei Dunkelheit in 256 Farben wechselnd hinterleuchtet – umgibt den 25.000 Quadratmeter großen Neubau. Mit der Idee, dem Gebäude eine transparente, edel gemusterte Ganzglasfassade vorzusetzen, fanden sie eine ungewöhnliche architektonische Antwort auf das multikulturelle urbane Umfeld von Leicester. Zugleich gaben sie „John Lewis“ eine prägnante Schaufläche für den Ursprung des traditionsreichen Unternehmens: den weltweiten Handel mit Stoffen. Das hochreflektierende, orientalisch anmutende Ornament basiert auf sorgsam in Archiven gehüteten Originalstoffen aus dem 18. Jahrhundert.
Das in sich geordnete und dennoch verwirrend anmutende ornamentale Geflecht setzt sich aus zwei knapp 80 Zentimeter hintereinander liegenden Ebenen einer Doppelfassade zusammen. Beide sind mit dem Ornament bedruckt, deckungsgleich jedoch in unterschiedlicher Ausführung. Das im Sputterverfahren aufgebrachte Muster auf der Außenfassade ist hochspiegelnd und bildet einen Sonnen- und Blickschutz. Deckungsgleich, jedoch in Emaillefarbe, sitzt das Ornament auf der inneren Isolierverglasung. Je nach Blickwinkel und Entfernung bilden die beiden hintereinander sitzenden Muster ein verwirrend farbiges Spiel oder setzen präzise gerahmte Durchblicke von Innen nach Außen und umgekehrt. Nahezu 3.000 bedruckte Gläser, keines dem anderen in Größe oder Muster gleich, bedeuteten eine große logistische Herausforderung. Termingerechte Lieferung und fehlerfreie Zuordnung waren die entscheidenden Parameter.
Beginnend von der Dachebene zieht sich die Glashaut kurz nach oben, gibt am horizontal verglasten Scheitel schnell den Blick in den Himmel frei, um dann den Besucher in die Welt des Orients zu entführen. In fast der selben Reihenfolge erfolgte auch die Montage. Von oben beginnend wurden die Scheiben an vertikal nach unten gespannten Flachstählen mit aufgesetzten Punkthaltern befestigt und horizontal mit Structural-Silicon verfugt. Dezent setzen die Edelstahlhalter ein feines Raster auf die ansonsten ungestörte, zu einem gewaltigen Gobelin verschmelzende Fassadenfläche. Angesichts dieser ungewöhnlichen Fassadenlösung treten andere von seele übernommen Arbeiten in den Hintergrund: der in Klebe- und Schraubtechnik vor die Fassade gesetzte Schriftzug „John Lewis“, Glass Walkways sowie abgehängte Decken in Glas und Edelstahl.