Im Zentrum von London entstand auf einer der größten Baustellen Europas ein neues Erlebnis-Einkaufszentrum der Superlative mit einer Grundfläche von 350.000 Quadratmetern und einem Investitionsvolumen von mehr als 1 Milliarde GBP. Über 270 Läden, 40 Restaurants, 14 Großraumkinos sowie ein Wellness- und Fitnessbereich wurden von Gabellini Sheppard Associates LLP, New York, unter einem Dach vereint. Blickfang ist neben der komplexen Schaufensterverglasung vor allem die spektakuläre Überdachung der hochwertigen Passage.
Die Konstruktion im Detail: Rund um einen zentralen Baukörper verläuft eine breite Passage, überdeckt von einem wellenförmig ausgebildeten Schalentragwerk. Unterstützt in wenigen Punkten verbinden sich 12.000 Rechteckhohlprofile über 7.000 Knoten zu einem filigranen Netzwerk. Geometrisch liegt dem Schalentragwerk ein Gitternetz aus gleichseitigen Dreiecken in der Grundfläche zugrunde. Die Knoten der Dachschale sitzen in unterschiedlichen Höhen auf den Normalen dieser Netzstruktur – kaum ein Dreieck beziehungsweise Knoten gleicht dem anderen.
Üblicherweise werden solche Netzwerke vor Ort zusammengeschweißt, um Toleranzen aufzufangen. Nachteilig ist dabei unter anderem der erschwerte Korrosionsschutz. Für die Londoner Passage wurde jedoch die komplette Dachkonstruktion montagefertig angeliefert und verschraubt. Die Gitterstreben wurden mit einer Längengenauigkeit von 2/10 Millimetern gefertigt, eine Vorgabe, die sonst im Maschinenbau üblich ist.
Um eine einheitliche Dachoptik zu erhalten, sind alle Streben im äußeren Querschnitt gleich, durch unterschiedliche Wandungsstärken wurde auf die unterschiedlichen statischen Vorgaben reagiert. Sämtliche Knoten sind Unikate. Sie setzen sich aus 20 Einzelteilen zusammen und wurden nach dem Verschweißen an den je sechs Verbindungsköpfen auf einer CNC-Fräse exakt auf Winkel und Größe gefräst. Über Codierungen wurde die richtige Zuordnung der einzelnen Bauteile sichergestellt.
Die gesamte Dachfläche ist zu Wartungszwecken „betretbar“ ausgeführt. Sechzig Prozent der Fläche bestehen aus Wärmeschutz-Kassetten, die Restfläche aus Isolierverglasung. Die dreieckigen Dachelemente sitzen mit zwischengelegtem Dichtprofilen auf der Gitterstruktur auf, an den Längsseiten sind sie durch je zwei Punkthalter verklemmt und nass verfugt. Die Dachneigungen wurden so bestimmt, dass alle Tiefpunkte nach außen entwässern und sich keine Wassersäcke bilden können. Eine gezielte Anordnung der Blechkassetten bewirkt, dass bei tief stehender Sonne die verglasten Flächen beschattet werden.