Angesichts neu übertragener Aufgaben wurde der Hauptsitz der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg erweitert. Nach einem Entwurf von Ingenhoven Architekten entstanden 750 neue Arbeitsplätze in unmittelbarer Nähe bestehender Gebäude des Unternehmens auf dem Kirchberg-Plateau. Blickfang der Investitionsbank ist ein 13.000 Quadratmeter großes Tonnengewölbe, das sich als überdimensionale Hauptfassade über den zickzackförmig mäandrierenden Gebäudekomplex legt. Rund 800 Tonnen Gewölbelast sind in der Längsrichtung verschiebbar auf dem Gebäude sowie auf 320 Pendelstützen gelagert. Neben der Verglasung des riesigen Gewölbes zählen zu den Höhepunkten des Bauwerks auch drei Seilfassaden für Wintergärten auf der Südseite. An der Europäischen Investitionsbank wurden insgesamt 14 unterschiedliche Fassadentypen ausgeführt, zehn von seele.
Das Stahlnetz des Tonnengewölbes ist in eine statische Dreier-Hierachie unterteilt und spannt teilweise bis zu 40 Meter über die Wintergärten. Die Leistungen von seele beginnen bei der Sekundärkonstruktion, eine in Dreiecke aufgelöste Stahlrohrkonstruktion, die teilweise oben und unten mit Finnen zusätzlich verstärkt wurde. Dem Stahlnetz aufgeständert ist eine Aluminiumnetzkonstruktion, welche das Stahldreiecksraster nochmals für die Dachverglasung unterteilt. Insgesamt 18 Kilometer Aluminiumprofile, 3.344 Aluminiumgussknoten und 5.772 dreieckige Glasscheiben von circa 1,75 auf 2 Metern bilden die eigentliche Dachhaut. Die Glasscheiben sind mit je 2 Punkthaltern pro Glaskante an der Alukonstruktion fixiert, die Fugen versiegelt.
Die drei Wintergärten auf der Südseite des Gebäudes werden jeweils durch Stahlträger (Fischbauchträger) von bis zu 50 m überspannt. Diese dienen der Unterstützung des Dachnetzes sowie dem Abspannen der Stahlseile der Atriumfassaden. Mit einem Gewicht von bis zu 60 Tonnen waren sie eine besondere Herausforderung für die Montage. Die vorgefertigten Trägerelemente wurden vor Ort zusammengeschweißt und mit bis zu fünf Mobilkränen in die Lager eingehoben. Die am Fischbauchträger angehängten, 3 cm dicken Stahlseile der Seilfassade werden mit einer Spannkraft von bis zu 22 Tonnen im Erdgeschoss verankert. Der Träger ist in den Kalottenlagern pendelnd gelagert und ermöglicht so in Kombination mit der Elastizität der Stahlseile der Fassade Bewegungen von bis zu 60 Zentimetern. In der Glasebene verlaufen sowohl in den Vertikal- als auch in den Horizontalfugen Stahlseile. Die Seile in den Vertikalfugen übernehmen die Lastabtragung des Scheibengewichts, die horizontal gespannten Seile stabilisieren die Punkthalter, damit diese sich nicht verwinden und verdrehen.
Die Fassaden von seele haben dazu beigetragen, dass die Europäische Investitionsbank in Luxemburg als erstes Gebäude in Kontinentaleuropa mit dem BREEAM Zertifikat "Exzellent" ausgezeichnet wurde.