Direkt auf dem Gelände der 1994 bis auf die Grundmauern abgebrannten Bibliothek von Norwich entstand nach den Plänen von Michael Hopkins and Partners, London, die neue Norwich Millennium Library – ein lichtdurchflutetes Informations- und Kulturzentrum, das jährlich mehr als 2 Millionen Besucher anlockt. Das von Architekten und Einwohnern liebevoll als „Horseshoe“ bezeichnete, hufeisenförmig um ein Atrium gelegte Gebäude, öffnet sich über eine grandiose, hochtransparente Glasfassade zum Markplatz und gibt den Blick frei auf die historisch bedeutsame „Cathedral of Norwich“.
Die ästhetisch anspruchsvoll gestaltete Dachkonstruktion wird getragen von filigran unterspannten, stählernen Bogensehnen, die vom jeweiligen gemeinsamen Auflager aus seitlich wegkippen und quer über die Halle flach gewölbte Segmentbögen legen. Zusammen mit der linear aufliegenden Sekundärkonstruktion formen sie ein riesiges Tonnengewölbe, abwechselnd belegt mit einer wärmeisolierten, vorbewitterten Blecheindeckung sowie großformatigen, punktgehaltenen Isolierglasscheiben. Ein Siebdruck im Punktraster reduziert den Wärmeeintrag über die Verglasungsflächen. Dem Massivdach untergehängte, mikroperforierte Metallpaneele mit Akustikvlies regulieren die Raumakustik. Die gesamte Dachkonstruktion einschließlich der Folienrinnen und Einleitung des Regenwasser in die Gebäudetechnik wurden als Komplettauftrag von seele ausgeführt. Die vorgefertigten Einzelelemente sind so ausgelegt, dass sie alle statischen Schweißnähte enthalten. Statische Verbindungen auf der Baustelle sind als auf Druck belastete Stöße ausgeführt, eine montagetechnisch vorteilhafte und statisch risikofreie Lösung.
Die von unten bis oben durchgezogene Eingangsfassade ist stehend konzipiert. Sich selbst aussteifend, dem Bogenverlauf des darüber liegenden, gekippten Bogenträgers folgend, schließt sie oben über einen Faltbalg beweglich an die Dachkonstruktion an. Vier senkrecht gesetzte Fischbauchträger, in Kombination mit Seil abgespannten Druckstäben, greifen über vierarmige Spider von hinten in die Fugen der Verglasung. Windlasten können so in Kombination mit der Eigenkrümmung dynamisch abgefangen werden. Keine groß dimensionierten Profile stören den grandiosen Ausblick auf den Marktplatz und die mächtigen gotischen Türme der Kathedrale. Interessant gestaltete sich auch die Planung und Ausführung der sogenannten „Bay-Windows“ – auskragende, verglaste Fensterelemente, die französischen Balkonen ähneln. Je nach Vorgabe mit Sonnenschutz, öffenbaren Fenstern oder Türen versehen, wurden komplett vorgefertigte, verschweißte Aluminiumelemente auf die Baustelle geliefert, verglast und in die Öffnungen des fertigen Ziegelmauerwerks eingeschoben. Die Norwich Millennium Library ist nicht nur vom Baukörper und Tonnendach aus betrachtet eine in sich runde Sache.