seele

Lincoln Center Canopies, New York, USA 

Lincoln Center Canopies, New York, USA

Das New Yorker „Lincoln Center for the Performing Arts“ wurde Ende der 50er Jahre errichtet und ist heute immer noch eines der größten und bekanntesten Kulturzentren weltweit. Der Komplex mit zwölf Musik- und Theaterinstitutionen sowie der weltberühmten Metropolitan Oper wurde in den letzten Jahren grundlegend renoviert und umgestaltet. Zwei weit auskragende Vordächer strukturieren den öffentlichen Raum und die Eingangssituation in die Avery Fisher Hall und das New York State Theater neu. Die markanten Dächer laden die Passanten ein, in die Welt der Künste einzutreten.

Transparenz und Leichtigkeit bestimmen den Entwurf für die beiden Glasvordächer. Diller Scofidio + Renfro fügten zwei elegante Stahlskulpturen behutsam an die Architektur der Avery Fisher Hall und des New York State Theater an. Auf einem mittig gesetzten Y-Träger liegen zwei leicht nach außen gekippte knapp über 27 Meter lange Stahlträger. Ein quer durch die Stahlträger gestecktes Rundrohr verbindet diese an dem einen Ende mit dem Gebäude, und sorgt zusammen mit dem biegesteif auf der Tiefgaragendecke verschraubten Y-Träger für die erforderliche Standfestigkeit. Den beiden Trägern untergehängt sind großformatige Glasscheiben – zwölf 4,30 x 2,30 Meter große 4fach-VSG-Scheiben, von denen jede einzelne knapp 1,5 Tonnen wiegt. Sie werden in den Eckpunkten über Punkthalter befestigt. Anschließend mit 2-Komponenten-Injektionsmörtel kraftschlüssig vergossen, bilden Glas und Stahl einen statisch wirksamen Verbund.
Das statische Konzept erforderte eine hohe Passgenauigkeit der unterschiedlichen Bauteile. Die üblichen Bautoleranzen von 3 bis 5 Millimeter für Stahlbauten mussten deutlich unterschritten werden. Die Vorgabe lag bei ± 1,5 Millimeter für die aufgebaute Konstruktion. Bereits im Vorfeld mussten die starken Verformungen durch das Eigengewicht der Scheiben von 18 Tonnen berücksichtigt werden. Die Stahlträger wurden deshalb mit Hilfe von Schablonen passgenau zusammengesetzt und durch partielles Erhitzen in ihrer Längsrichtung überhöht. Nach exakt berechnetem Montageplan errichtet bilden 40 Tonnen Stahl und Glas jetzt eine perfekt horizontal verlaufende Linie, bei der auch mit 1 Grad Neigung die Dachentwässerung zuverlässig funktioniert. Von seele komplett in Pilsen vorgefertigt gab es eine weitere Herausforderung: Mit welchem Schiff und in welcher Verpackung geht die Konstruktion auf die Reise – Container in einer Länge von 30 Metern werden von keiner Reederei angeboten.
sedak