Fosters Entwurf für den neuen Hauptsitz der Londoner Stadtverwaltung ist ein Solitär in allen Aspekten der Architektur. Auf zehn Etagen des Gebäudes verteilt sich ein Nutzungsmix von Büroräumen, einer großen öffentlich zugänglichen Eingangshalle und den Räumen für das Stadtparlament im fünften bis siebten Stockwerk. Darüber befinden sich die Zimmer des Londoner Bürgermeisters und dann der „demokratische“ Abschluss, wie wir ihn schon vom Berliner Reichstag kennen. Das direkt am Südufer der Themse gelegene Gebäude fasziniert insbesondere mit seiner runden und einzigartig strukturierten Glashülle. Die spektakuläre Freiform des Gebäudes resultiert aus energetischen Untersuchungen, die den Tageslichteinfall zur Beleuchtung der Arbeitsplätze sowie den sommerlichen Wärmeschutz konsequent optimierten.
Besonders markant ist die so genannte „Linse“ über dem Haupeingang, die von seele ausgeführt wurde. 730 Quadratmeter Structural Glazing Isolierglasfassade ermöglichen einen optimalen Tageslichteintrag in das dahinterliegende Atrium. Die Primärkonstruktion aus einem dreidimensional gebogenen Stahlgitter aus Rohrprofilen mit 323 Millimetern Durchmesser überspannt bis zu 25 Meter. Etwa 80 Prozent der horizontalen Primärstahlrohre sind wassergefüllt um das Gebäude zu klimatisieren und Kondensation zu verhindern.
Den Dreiecksfeldern der primären Stahlkonstruktion ist eine Sekundärkonstruktion aus geschweißten Stahl-T-Profilen aufgesetzt, die die Fassade in circa 1,7 auf 4,5 Meter große Dreiecksfelder aufteilt. Bedingt durch die stetig zunehmende Gebäudeneigung nach hinten, ändert sich deren Größe ständig, lediglich links und rechts der mittig verlaufenden Spiegelachse wiederholen sich die Elementgrößen. Eine Performance-Beschichtung sowie ein von unten nach oben hin an Dichte zunehmender Siebdruck regulieren den Wärmeeintrag durch die Sonne.
Die Dehnfuge zu den anschließenden Fassaden wird über eine umlaufende Folienrinne gebildet. Zusammen mit der „Linse“ trägt die gleichartig aufgebaute Primärkonstruktion des Daches zur Gesamtstabilität des Gebäudes bei. Fest verglaste Oberlichter, Isolierglasflügeln zur Be- und Entlüftung sowie Zugänge zu Servicebereichen führen die „Architektur des Dreiecks“ auf der Dachfläche fort.
Öffentlich und „privat“ zugleich kommt dem Atrium eine besondere Bedeutung zu, dem zweiten Auftragspaket, das von seele ausgeführt wurde. Beim Arbeiten gesehen zu werden entspricht dem heutigen Verständnis von Demokratie, ungestört arbeiten zu können ist dennoch notwendig. Ganz in Glas gehalten werden hohe Anforderungen an den Schall - und Brandschutz erfüllt. Als stützenfreier Raum konzipiert erforderte die sich nach oben hin stetig verjüngende Atriumverglasung eine ganze Reihe von Sonderlösungen. Die Geschossdecken sitzen auf einem Betonkern in der Mitte des Gebäudes auf – frei auskragende Scheiben, im Atrium nur an der Fassadenanschlusspunkten fixiert. „Funny static movement“ umschreiben die Projektbeteiligten die hieraus resultierenden Bewegungen entlang der Galerie: bis zu maximal 40 Millimeter nach unten und 15 Millimeter nach oben in der Galeriemitte. Um diese Bewegungen ausgleichen zu können, hängen die mit einem Metallrahmen verklebten Scheiben einseitig an zwei Scharnierbändern, das untere als Fixpunkt, das obere als vertikales Gleitlager ausgebildet. Zusammen mit einem von seele entwickelten, speziellen Dichtungsband konnten so auch die besonders bewegungsintensiven Vertikalfugen filigran ausbildet werden.